| NAH- UND MAKROFOTOGRAFIE-SPEZIAL Ganz nah! Hatten Sie als Kind ein Vergrößerungsglas? Dann erinnern Sie sich vielleicht daran, wie fasziniert Sie damals von einer Welt waren, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen war. Aus einem ganz ähnlichen Grund erfreut sich die Makrofotografie großer Beliebtheit. Mit unseren Tipps gelingen Ihnen selbst mit Kompaktkameras beeindruckende Aufnahmen.  Bei Nahaufnahmen geht es um die vergrößerte Darstellung von Dingen und Details, die zu klein sind, um sie auf den ersten Blick als gutes Fotomotiv zu erkennen, oder die innerhalb eines Bildes eher schmückendes Beiwerk als Hauptmotiv oder Blickfang sind. Die Nahfotografie erschließt neue Welten, wenn eine einzelne Blüte mit ihren Blättern und Staubgefäßen ins Zentrum des Blickes rückt. Der in der Nahaufnahme geübte Fotograf hat einen Blick für solche Motive, löst sie mit der Kamera aus ihrem Kontext und stellt ihnen die gesamte Fläche des Bildes zur Verfügung. Sobald die Motive noch kleiner werden, sodass man ihre Details mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann, kommt man in den Bereich der Makrofotografie. Diese ist mit einfachen Kameras und ohne Spezialzubehör nur in einem begrenzten Rahmen möglich, weil für die Objektive von digitalen und analogen Kameras bestimmte physikalische Grenzen gelten, und man die Kamera nur bis zu einer gewissen Entfernung an ein Motiv heranbringen kann. Die Nahfotografie ist mit nahezu jeder Digitalkamera ohne besonderes Zubehör machbar. Einfache Makroaufnahmen z. B. von Insekten sind mit einer guten Kompaktkamera meistens auch noch kein Problem, wenn die Kamera über ein Makroaufnahmeprogramm (verdeutlicht durch ein Blumensymbol) verfügt. Wenn Sie aber nicht nur die auf einer Blüte sitzende Fliege, sondern einzelne Facetten ihrer Augen deutlich in den Aufnahmen darstellen wollen, benötigen Sie je nach Kameratyp unterschiedliches Spezialzubehör. Nah- oder Makroaufnahmen sind Blickfänge für die unterschiedlichsten Gelegenheiten. Aus einer Rosenblüte wird schnell ein Motiv für eine Geburtstags- oder Hochzeitskarte, aus einer Fotosammlung von Strandblumen ein Kalender. Auch ein individueller Bildschirmhintergrund ist mit Makroaufnahmen möglich. Wenn Ihre Kamera über fünf Megapixel oder mehr verfügt, können Sie Ihre gelungensten Makroaufnahmen auch als Vergrößerung ausgeben lassen. Erste Schritte in der Nah- und Makrofotografie Was fällt Ihnen zum Stichwort Nahaufnahme ein? Viele denken vermutlich sofort an stimmungs-volle Bilder von traumhaft zarten Blüten, an Schmetterlinge oder etwa an Details eines menschlichen Gesichts. Für die ersten Schritte in der Nah- und Makrofotografie sind Blumen und Blüten am besten geeignet. Viele Blüten strahlen eine ganz natürliche ästhetik aus. Zudem lassen sie sich in jeder beliebigen Umgebung arrangieren und bewegen sich nicht, wenn nicht gerade der Wind über die Pflanzen hinwegstreicht. Sie werden beim Fotografieren schnell die Probleme kennenlernen, die sich aus den unterschiedlichen Formen, den verschiedenen Strukturen und der Tiefenausdehnung ergeben. Sie werden sehen, wie schwierig es sein kann, genügend Schärfentiefe zu erzielen, um eine Blüte in ihrer Dreidimensionalität zu erfassen, eine kunstvolle Beleuchtung zu arrangieren und den richtigen Bildausschnitt für gekonnte Gestaltungen auszuwählen. Die Tipps in diesem Artikel helfen Ihnen, diese Schwierigkeiten der Nah- und Makrofotografie in den Griff bekommen.  | Tipps für gelungene Nahaufnahmen Wenn Sie noch keine Erfahrung in der Nahfotografie haben, suchen Sie sich zunächst ein paar geeignete Objekte. Das können Münzen, Miniatureisenbahnen, Früchte oder Blumen sein, bei denen Sie zum Fotografieren nah herangehen müssen. Mit Blumen üben Wenn Sie den Ratschlag befolgen, zunächst mit ein paar Blumen zu üben – selbst nicht ganz perfekte Fotos exotischer Blüten können als 20x30-Ausdruck toll wirken –, besorgen Sie sich größere Blüten. Um einen Blick für Strukturen und einen vorteilhaften Bildausschnitt zu entwickeln, sind flächige Blüten am besten geeignet. Stellen Sie Ihre Kamera entweder auf den Automatik- oder, falls vorhanden, auf den Makromodus ein und fotografieren Sie die Blüte zunächst frontal aus relativ geringer Entfernung. Wie dicht Sie im Makromodus herangehen können oder müssen, erfahren Sie im Kamerahandbuch. In den meisten Fällen beginnt der Makrobereich bei etwa 30 cm. Mit guten Objektiven können Sie auf bis zu 5 cm an Ihr Motiv herangehen. Viele Kameras passen auch die automatische Scharfstellung, den Autofokus, an das Makroprogramm an und bieten Ihnen dann nur im Makrobereich der Kamera eine passende Scharfstellung. Das ist eine gute Hilfe, denn wenn Sie zu weit weg sind, kann die Kamera nicht scharf stellen. Verwacklern vorbeugen Für die Wahl des Bildausschnitts und zum Ruhighalten der Kamera ist ein Stativ eine große Hilfe. Die Gefahr zu verwackeln ist bei Nahaufnahmen sehr hoch, wenn Sie aus der Hand fotografieren – es sei denn, Ihre Kamera bietet einen Bildstabilisator, der das leichte Verwackeln kompensiert. Fotografieren Sie die Blüte frontal, spielt die Schärfentiefe nur eine geringe Rolle, denn die Blüte liegt mehr oder weniger parallel zur Sensorebene. Es kommt hier mehr darauf an, auf Beleuchtung, Bildausschnitt und Hintergrund (falls sichtbar) zu achten. Wenn Sie im Freien arbeiten, liefert die Sonne Licht. Fotografieren Sie drinnen, stellen Sie die Blumen am besten neben ein Fenster. Das einfallende Licht beleuchtet die Blumen so sanft von der Seite. | Geringe Schärfentiefe Drehen Sie nun für eine zweite Aufnahmereihe die Blüte so, dass sie nicht mehr parallel zur Sensorebene steht. Sehen Sie sich im Sucher genau an, wo der schärfste Punkt auf der Blüte liegt, und machen Sie ein paar Aufnahmen mit unterschiedlicher Fokussierung. Fokussieren Sie auch manuell, um etwa auf einen Bereich außerhalb der Bildmitte scharf zu stellen. Wenn Sie die zweite Serie am Computer kontrollieren, wird deutlich, wie gering die Schärfentiefe bei Nahaufnahmen ist. MakroMotive perfekt ausleuchten Haben Sie Ihre Kamera auf das Aufnahmeprogramm für Nah- und Makroaufnahmen gestellt, steuert sie die Werte für Blende und Verschlusszeit mithilfe des internen Belichtungsmessers automatisch. Ist nicht genügend Licht vorhanden, wird je nach Kameramodell auch der Blitz zugeschaltet. Wenn die automatisch gesteuerten Aufnahmen nichts geworden sind, verändern Sie die Belichtungswerte. Das Licht muss stimmen Die schönsten Nah- und Makroaufnahmen entstehen, wenn nicht nur das Motiv und die Bildgestaltung, sondern vor allem das Licht stimmt. Allein viel Licht von oben oder von der Seite reicht für gute Bilder selten aus. Ein Motiv muss so ausgeleuchtet werden, dass alle Details sichtbar sind, aber die Plastizität eines Objekts durch den Wechsel von Licht und Schatten, hellen und dunklen Partien verdeutlicht wird. Winzige Spitzlichter können für Stimmung sorgen. Schatten modellieren Oberflächen Wenn Sie ein detailreiches und sich in die Tiefe erstreckendes Objekt direkt von oben oder von vorn mit einem Blitz oder einer Lampe anstrahlen, flachen dessen Strukturen ab. Die Dreidimensionalität des Objekts lässt sich so nicht in den zweidimensionalen Raum eines Fotos hinüber-transportieren, und es entsteht nicht der Eindruck räumlicher Tiefe. Erst Schatten modellieren Oberflächen. Machen Sie Ihre Nah- und Makrofotos also zunächst mit einer schräg seitlich positionierten Lichtquelle. Ob Sie ein Blitzlicht, einen Strahler oder das Tageslicht verwenden, ist dabei zweitrangig. Das Kernproblem bei einer seitlichen Lichtquelle ist, dass die dem Licht abgewandte Seite des Motivs je nach Umgebungs-helligkeit im Schatten liegt. Arbeiten mit Reflektoren Arbeiten Sie in diesem Fall für eine weichere und gleichmäßigere Ausleuchtung mit Reflektoren. Ein Spiegel oder eine mit Alufolie bespannte Fläche wirft das Licht von der gegenüberliegenden Lichtquelle zurück und erhellt so im Schatten liegende Bildteile. Falls Sie das vom Reflektor zurückgeworfene Licht noch weicher gestalten möchten, verwenden Sie anstelle einer glänzenden Fläche eine weiße Styroporplatte oder eine andere weiße Fläche (z. B. ein Blatt Papier). Schnell bewegende Motive Haben Sie schon einmal versucht, spielende Kinder zu fotografieren? Immer wenn man sein Motiv gerade in der Schärfe hat, bewegt es sich vom Fleck, und man kann mit dem Scharfstellen von vorn beginnen. Arbeiten Sie mit größeren Motiven, lässt sich die Problematik etwas abschwächen, indem Sie mit Weitwinkel und kleiner Blende für mehr Schärfentiefe arbeiten. Diese Möglichkeiten haben Sie in der Nah- und Makrofotografie nicht unbedingt. Hier heißt es, nah heranzugehen und mit längeren Brennweiten zu fotografieren, um kleine und winzige Motive formatfüllend zu erwischen. Insekten fotografieren Insekten und andere kleine Lebewesen können sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit bewegen. Deshalb sollten Sie den Punkt, an dem Sie die Tiere fotografieren möchten, zuvor exakt manuell festlegen. Arbeiten Sie hierbei mit einem Stativ und zusätzlich am besten mit einem Fernauslöser, um die Kamera beim Auslösen nicht mehr zu berühren. Ebenfalls hilfreich ist ein Einstellschlitten, mit dem die Kamera zum Fokussieren millimetergenau vorund zurückbewegt werden kann, ohne dabei die Fokussierung an der Kamera verändern zu müssen. Schrauben Sie die Kamera auf ein stabiles Stativ und legen Sie mithilfe des Monitors oder Suchers den Bildausschnitt fest. Fokussieren Sie anschließend auf den Punkt, an dem das Motiv festgehalten werden soll. Zur Kontrolle der Belichtungswerte (für große Schärfentiefe empfiehlt es sich, mit kleiner Blende zu arbeiten oder das Makro-/Nahprogramm der Kamera einzustellen) sollten Sie vorher einige Aufnahmen machen und anschließend sofort auf dem Display überprüfen. Sind die Aufnahmen zu hell oder zu dunkel, verändern Sie die Belichtung entsprechend. |  | Kurze Verschlusszeiten Bei sich schnell bewegenden Motiven müssen Sie mit kurzen Verschlusszeiten (1/250 sek und weniger) arbeiten, um die Motive in ihrer Bewegung „einzufrieren“. Kurze Verschlusszeiten erfordern relativ weit geöffnete Blenden, um noch genügend Licht auf den Sensor fallen zu lassen. Dadurch wird die Schärfentiefe reduziert. Ein Kompromiss aus kurzer Verschlusszeit und kleiner Blende ist notwendig, um ein Optimum aus der Bewegungsaufnahme herauszuholen. Abhilfe schafft hier eine geeignete Lichtquelle oder ein für die Nahfotografie geeignetes Blitzgerät, mit dem Sie allerdings lebende Motive meist schnell vertreiben. Kamerazubehör für einwandfreie Aufnahmen Nah- und Makroaufnahmen gelingen in den meisten Fällen nur mit einem festen Stativ wirklich gut. Mit einem stabilen Dreibeinstativ wird es einfacher, exakt auf das gewünschte Hauptmotiv zu fokussieren. Weil für maximale Schärfentiefe kleine Blenden nötig sind, die durch relativ lange Verschlusszeiten von der Kameraautomatik kompensiert werden, verhindert ein Stativ – am besten in Kombination mit Fern- oder Selbstauslöser –, dass Sie Ihre Aufnahmen verwackeln. Nahlinsen verringern die Distanz zum Motiv Viele digitale Kompaktkameras lassen sich bis auf wenige Zentimeter vor ein Motiv halten, wodurch in Kombination mit einer langen Brennweite für Fotos von nur zentimetergroßen Lebewesen kein Zubehör notwendig ist. Besitzen Sie eine Kamera, die keine solche Annäherung erlaubt, brauchen Sie eine Nahlinse, die ins Filtergewinde des Objektivs geschraubt wird. Hat Ihr Objektiv kein Filtergewinde, fragen Sie Ihren Fachhändler nach einer speziellen Filterhalterung, die am Kameragehäuse angebracht werden kann. Nahlinsen, die relativ günstig im Fachhandel erhältlich sind, wirken wie Vergrößerungsgläser. Sie verringern die notwendige Distanz zwischen Kamera und Motiv. Man erhält Nahlinsen in verschiedenen Stärken, die in Dioptrien angegeben werden. Es lassen sich mehrere Nahlinsen miteinander kombinieren. Allerdings wird die Bildqualität durch Farbfehler und Unschärfen deutlich schlechter, je mehr Linsen Sie verwenden. Zuschaltbare Makrofunktion bei SLR-Kameras Besitzer von digitalen Spiegelreflexkameras haben neben den Nahlinsen einige weitere Optionen, um die Ausrüstung zu erweitern. Eine Reihe von Standard-Zoomobjektiven hat eine zuschaltbare Makrofunktion, um sich den gewünschten Motiven bis auf einige Zentimeter zu nähern. Mit speziellen (und teuren) Makroobjektiven lassen sich Vergrößerungen bis zur Lebensgröße erzielen. Ein Motiv von einem Zentimeter Größe wird also auf einem Sensor in Lebensgröße abgebildet und nimmt auf dem Sensor die gleiche Größe wie in Wirklichkeit ein. Man spricht von einem Abbildungsmaßstab von 1:1. Die Abbildungsqualität von Objektiven, die speziell für Makroaufnahmen konzipiert sind, ist übrigens deutlich besser als von Allround-Optiken mit zusätzlicher Makrofunktion.  | Zwischenringe einsetzen Relativ preiswert sind Zwischenringe, die zwischen Kamera und Objektiv montiert werden, aber nur für Spiegelreflexkameras mit Wechsel-objektiven verwendet werden können. Zwischenringe sorgen dafür, dass Objektiv und Kamera nach wie vor miteinander kommunizieren und automatische Belichtung und Autofokus wie gewohnt funktionieren. Die Ringe gibt es in verschiedenen Stärken. Je breiter sie sind, desto größer ist der Abbildungsmaßstab. Man kann die Ringe miteinander kombinieren, die Abbildungsqualität wird dabei nicht vermindert. Allerdings schlucken Zwischenringe erheblich Licht, weil weniger zum Sensor der Kamera gelangt. Dadurch verlängert sich die Belichtungszeit oder Sie benötigen größere Blenden. Balgengeräte und Umkehrringe Spiegelreflexkameras können für die Nah- und Makrofotografie auch mit Balgengeräten und Umkehrringen ausgerüstet werden. Balgengeräte arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie Zwischenringe, man kann die Entfernung zwischen Objektiv und Kamera jedoch dank des flexiblen Materials wie bei einer Ziehharmonika stufenlos einstellen. Mit einem Umkehrring, der an einer Seite einen Anschluss für das Filtergewinde des Objektivs, an der anderen einen Kameraanschluss hat, kann man seine Objektive umgekehrt an eine Kamera anbringen. Das Objektiv wirkt dann wie ein Vergrößerungsglas. Dadurch bleibt auf jeden Fall die Abbildungsqualität des Objektivs erhalten. Gute Umkehrringe sind so ausgestattet, dass die Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv weiterhin möglich ist. Bei einfachen Modellen werden Belichtungswerte und Fokussierung von Hand eingestellt. | G |