| SCHNEE UND EIS EINGEFANGEN KALT GESTELLT! Der Winter reizt mit völlig veränderter Landschaft und einzigartigen Wetterstimmungen. Mit der Kamera wird jeder Spaziergang zur unvergesslichen Fotoreise.  Der richtige Einsatz eines Polfilters sorgt für bessere Kontraste – der Himmel ist tiefblau und der Schnee erstrahlt in hellem Weiß. Vielen Menschen ist es nicht bewusst, aber Jahreszeiten sind nichts Selbstverständliches. Während an den Polen der ewige Winter regiert, ist es in den Tropen das ganze Jahr über warm. Deutschland ist in der gemäßigten Klimazone dagegen ausgeprägten Jahreszeiten ausgesetzt. Leider gibt es hier im Winter nicht überall Schnee, in einigen Regionen fällt dieser nur sehr selten und der Winter präsentiert sich dort eher nasskalt und trüb. Unabhängig vom Wetter finden sich im Winter zahlreiche attraktive Motive und wer einen interessanten Platz zum Fotografieren gefunden hat, erhält eine reiche Ausbeute an tollen Fotos. EXTREME ORTE – EXTREME MOTIVE Man sollte sich allerdings dessen bewusst sein, dass für die Wanderungen abseits der Hauptwege eine gewisse Planung notwendig ist. Zudem ist die richtige Ausrüstung Pflicht. Dazu zählen neben dem benötigten Fotozubehör dicke Kleidung sowie spezielle Schneeschuhe, um auf den nicht geräumten Wegen voranzukommen. Während Schneehöhen von 30 bis 50 cm noch mit normalem Schuhwerk begehbar sind, wird es darüber schon kritisch. Zudem ist Schnee nicht immer gleich massiv und verrät nicht, was unter der Schneedecke lauert. Es besteht ohne Schneeschuhe also immer die Gefahr, dass man plötzlich einsinkt, unglücklich umknickt und sich verletzt. Spezielle Schneeschuhe sind also immer ratsam, sobald man die präparierten Wege verlässt. Man schont damit den Untergrund auf dem man läuft, ebenso wie die eigenen Kraftreserven, vermindert das Verletzungsrisiko oder bauchtief in einer Schneewehe einzusinken und verleiht sich bei Freihandaufnahmen mit der Kamera wesentlich mehr Stabilität.  | STIMMUNGEN AUSNUTZEN Eine Winterlandschaft stellt an sich schon ein faszinierendes Bild dar, noch schöner wird das Ganze allerdings, wenn man es mit besonderen Momenten kombiniert. Frühaufsteher werden oft mit ganz besonderen Lichtstimmungen belohnt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass am frühen Morgen noch kaum eine Menschenseele die Idylle stört. Aber auch spät am Abend, wenn die Sonne untergeht, werden teilweise schon eher durchschnittlich wirkende Motive stark durch die einzigartige Stimmung aufgewertet. Auch nachts, besonders bei Mondlicht, werden aus scheinbar simplen Motiven sehr interessante Fotos. Schnee in Kombination mit Mondlicht und flachen Nebelbänken ist immer ein dankbares Motiv. Wenn der Schnee fehlt, fehlen nicht zwangsweise die Motive: Auch eine von nächtlichem Reif überzogene Wiese oder eine Nahaufnahme einer gefrorenen Wasserstelle können einen sehr winterlichen Eindruck hinterlassen. Liegen die Täler für Tage unter einer dichten Hochnebeldecke, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, entstehen beeindruckende Reifablagerungen. Bäume und Gebäude wirken wie weiß angesprüht und es können zusammen mit dem Nebel mystische Stimmungen entstehen. Nebel kann hierbei einen weiteren schönen Nebeneffekt erzeugen: Während oft störende Objekte wie Strommasten oder Häuser im Hintergrund des Hauptmotivs den Gesamteindruck beachtlich stören, sind diese Objekte bei Nebel häufig ausgeblendet. Die denkbar schlechteste Zeit zur Fotografie im Winter herrscht zur Mittagszeit. Sehr stark gestreutes Licht und schwache Kontraste sind schlechte Voraussetzungen. | DIE AUSRüSTUNG Neben der schon vorher erwähnten Ausrüstung wie angemessener Winterkleidung, Schneeschuhen, GPS-Navigation und Ersatzkleidung für die Zeit nach der Schneewanderung, darf die Kamera natürlich nicht zu kurz kommen. Keines der hier vorgestellten Ausrüstungsmerkmale ist Pflicht, aber jedes erweitert die fotografischen Möglichkeiten. Auf Wanderungen kann es unbequem sein, ständig die Hände mit der Kamera blockiert zu haben. Sehr empfehlenswert sind spezielle Fototaschen und besonders Rucksäcke, die wasserfest sind und ausreichend Platz bieten, alles sicher zu verstauen. Wer in diesem Bereich eine Neuanschaffung plant, sollte bei Bedarf auf eine Befestigungsmöglichkeit für ein Stativ achten. Ein Stativ ist nachts und bei schlechten Lichtverhältnissen Pflicht, zahlt sich aber auch bei Nahaufnahmen und Bildern im Telebereich aus. Da sich in der Winterfotografie Motive in allen Bereichen, vom Makrobereich über extreme Weitwinkel bis tief in den Telebereich finden, lassen sich keine Empfehlungen für bestimmte Objektive aussprechen. Ein Teil der Ausrüstung leidet bei Kälte besonders: die Akkus der Kamera. Mit sinkender Temperatur sinkt auch die Kapazität und es sollte immer ausreichend Ersatz vorhanden sein. Einige Akkutypen verweigern bei Unterschreiten einer bestimmten Temperaturschwelle sogar ganz ihren Dienst. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, die Akkus möglichst warm zu halten, in der Innentasche der Jacke oder in der Hosentasche. Als Filter bietet sich bei Schnee, Reif und blauem Himmel ein Polfilter an, dessen Effekt sich nicht per Bildbearbeitung reproduzieren lässt. Bei richtigem Einsatz wirkt der Schnee glänzend weiß bei einem tiefblauen Himmel, ganz wie man sich einen perfekten Wintertag vorstellt. Ein weiterer praktischer Helfer kann in Verbindung mit einem Stativ ein Kabel- oder Funkauslöser sein, welcher besonders bei Makro und Tele Aufnahmen das Verwacklungsrisiko deutlich senkt. | | FOTOTIPPS Die besonderen Lichtbedingungen, die durch die Reflexion des Lichtes an den Schneedecken entstehen, stellen die Automa-tikfunktionen der Kamera oft vor eine zu große Herausforderung. Einige Kameras bieten spezielle Motivprogramme für das Fotografien im Schnee, womit auch schon deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden als im normalen Automatikmodus. Ohne Automatikfunktion helfen die folgenden Tipps: Wie bekannt reflektiert Schnee fast das komplette Licht, wodurch er auch in strahlendem Weiß erscheint. Die Belichtungsmesser der Kameras sind allerdings nicht auf diesen Umstand ausgerichtet und erkennen die Lichtstimmung als zu hell, worauf die Kamera mit einer zu knappen Belichtung reagiert. Der Schnee wirkt auf den Bildern nicht wunderbar weiß, sondern eher in einem flauen Grauton. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, muss an der Kamera die Belichtung manuell korrigiert werden. Dies geschieht entweder über eine komplett manuell gewählte Belichtung oder über die Funktion der Belichtungs-korrektur. In der Regel liegt die richtige Belichtung im Bereich einer überbelichtung von +1 bis +2 Blendenstufen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch eine Belichtungsreihe von zwei oder drei Bildern fotografieren. Der Kameramonitor bietet übrigens gerade bei sehr hellem Umgebungslicht nur eine unzureichende Möglichkeit, das Bild auf die richtige Belichtung zu prüfen. Besser ist die Kontrolle über die in vielen Kameras integrierte Histogrammfunktion. Hier lässt sich die richtige Belichtung über die Verteilung der Tonwerte im Diagramm genau bestimmen. Ein weiteres Problem bei Schnee ist der Weißabgleich der Kamera. Oft tendieren die Kameras bei einem automatischen Weißabgleich zu Farbstichen. Für Abhilfe sorgt entweder ein halbautomatischer Weißabgleich der Kamera oder ein komplett manueller Weißabgleich. Bei halbautomatischem Weißabgleich wird der passende Weißabgleich für die entsprechende Situation manuell ausgewählt, zum Beispiel „Tageslicht“ oder „bewölkt“. Nach dem Einstellen sollte eine Testaufnahme zum überprüfen des Weißabgleichs vorgenommen werden. Noch besser ist es, einen komplett manuellen Weißabgleich vorzunehmen. Wer die Möglichkeit hat, im RAW-Format zu fotografieren, hat neben den viel größeren Reserven für spätere Korrekturen am PC an dieser Stelle einen klaren Vorteil. Im RAW-Format lässt sich der Weißabgleich auch ohne Probleme noch im Nachhinein vornehmen. | IDEEN ZUR BILDGESTALTUNG Als Fotograf hat man schnell erste Erfolgserlebnisse, besonders bei blauem Himmel und Sonnenschein. Weitaus schwieriger wird es, wenn die Tour bei gutem Wetter beginnt und ausgerechnet an den schönsten Orten plötzlicher Nebel die Landschaft in ein graues Licht hüllt. Was auf den ersten Blick demotivierend wirkt, kann aus fotografischer Sicht eine Chance sein, besondere Aufnahmen zu erzeugen. Bei dichtem Nebel erscheinen oft nur noch nähere Objekte im Vordergrund, weiter entfernte sind ausgeblendet und nur noch schemenhaft zu erkennen. Nebel kann also als gestalterisches Mittel eingesetzt werden. Einzelne Bäume wirken ohne den störenden Hintergrund schöner und intensiver, insbesondere wenn diese über gezielte überbelichtung als High-Key-Aufnahme, bei der einige Bildbereiche sogar überstrahlen dürfen, belichtet werden. | Eine faszinierende Ausstrahlung besitzen Schwarz-Weiß-Bilder. Diese Technik ist bei jedem Umgebungslicht und Wetter eine Alternative zum Farbfoto. Bei High-Key-Aufnahmen und Motiven mit hohem Kontrast lohnt es, ein Bild in Graustufen aufzunehmen. Wenn die SW-Fotografie zu melancholisch und trist erscheint oder wer einem Bild eine besondere Note verleihen will, kann dies über Farbfilter erreichen. Das lässt sich sowohl direkt über echte Filter mit entsprechendem Farbeffekt am Kameraobjektiv als auch nachträglich über die Bildbearbeitungs-Software realisieren. Im Winter, besonders morgens und abends, lassen sich die teilweise langen Schatten von Bäumen dazu nutzen, Tiefe ins Bild zu bringen. Es lohnt sich, ein Motiv nicht nur von der Sonnenseite zu betrachten, sondern auch aus anderen Blickwinkeln etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch einzelne Spuren im Schnee, die zum Motiv hinführen, können einem eher unscheinbaren Bild Tiefenwirkung verschaffen. Eine Fotoserie mit sich immer wiederholender Brennweite oder Perspektive wirkt eher langweilig. Gerade weil die Motivvielfalt im Winter sehr groß ist, sollte man diese auch nutzen und die Bilder abwechslungsreich gestalten. Neben dem Wechsel von Nah-, Weitwinkel- und Teleauf-nahmen lohnt es sich, auch die Perspektive zu verändern. Wählen Sie doch einmal einen erhöhten Aussichtpunkt oder die Froschperspektive. |